5 Gründe, die gegen reine Handfütterung sprechen...

... und wie du es besser machen kannst!

Lieber Hundefreund,

immer wieder höre und lese ich, dass Hunde, die draußen keinerlei Interesse an ihren Haltern zeigen, ihr komplettes Futter draußen erarbeiten sollen. 

Welche Idee steckt dahinter?

Die Nahrungsaufnahme ist mitunter der wichtigste Faktor, um überhaupt überleben zu können. Wenn ein Hund seine tägliche Mahlzeit aus dem Napf erhält, scheint er draußen keine Notwendigkeit zu sehen, auf seinen Halter zu achten - schließlich ist er ja satt und sich sicher, dass es spätestens zum Abend noch mal etwas gibt - und hat somit genügend Energie frei, sich anderen Aktivitäten zu widmen. Trainer, die so argumentieren und die reine Handfütterung propagieren, wollen dir sagen, dass du die wichtigste Ressource für deinen Hund sein musst. Nur du verwaltest das Futter und dein Hund bekommt es auch nur draußen. Dein Hund soll lernen, dass draußen das einzige was zählt, DU bist. Am besten lässt man den Hund noch zwei Tage hungern, damit er mit leerem Magen dir seine volle Aufmerksamkeit schenkt, auch wenn nur 10 Meter weiter ein Reh nach einem lustigen Jagdabenteuer ruft. Das klingt so simpel und logisch, trotzdem kommt diese Trainingsmethode für mich nicht in Frage!

1. Nachteil - Mit leerem Magen kann man nicht denken

Hast du schon einmal richtig großen Hunger gehabt? Dein Magen hat geknurrt und vielleicht hast du auch schon das ein oder andere Sternchen gesehen, nach 2 Tagen nichts Essen. Stell dir vor, du machst eine Null-Diät und hast währenddessen für eine wichtige Prüfung zu lernen - oder dein Arbeitgeber erfordert für ein wichtiges Projekt deine volle Konzentration! Kannst du mit leerem Magen richtig gut denken? Ich nicht! Hunde auch nicht! Wenn der Magen knurrt, werden Hunde schnell sehr aufgeregt und hektisch und wollen alles dafür tun, um etwas zu Fressen zu bekommen. Die Konzentrationsfähigkeit deines Hundes sinkt dabei allerdings, ebenso wie seine Impulskontrolle (also die Fähigkeit, sich zu beherrschen). Dein Hund kann in diesen Situationen wesentlich schwerer denken und das erwünschte Verhalten nur schwer lernen!

2. Nachteil - Dein Hund zeigt draußen kein Erkundungsverhalten mehr

Wenn dein Hund gelernt hat, dass er nur draußen bei dir Futter bekommt, dann wirst du für ihn ziemlich unberechenbar. Woher soll er wissen, bei welchem 20151108 085724Spaziergang es die nächste Gelegenheit auf Nahrung gibt? Also wird er dich fleißig verfolgen und seine Umwelt nicht mehr wahrnehmen oder erkunden wollen. Neben Nahrungsaufnahme gehört aber genau das zu den Grundbedürfnissen von unseren Fellnasen, die wir ihm erfüllen müssen! Wem es nicht passt, dass sein Hund Interesse an seiner Umwelt zeigt, der soll sich bitte ein Stofftier zulegen! Es ist völlig natürlich, dass Hunde Spuren von Wild aufnehmen und verfolgen, Kaninchen hetzen und ewig an Pipistellen schnüffeln wollen! Wir wollen doch mit Hunden leben, weil wir ihre Eigenschaften lieben, oder? Also sollten wir diese auch akzeptieren und mit ihnen leben!

3. Nachteil - Situationen werden noch aufregender 

Dein Hund hängt bei Wildsichtung kreischend in der Leine? Und eigentlich wünschst du dir, dass er total entspannt ist? Das wird dir aber nicht mit der Handfütterung gelingen. Im Gegenteil. Dein Hund gerät in dieser Situation in einen Konlikt. Auf der einen Seite schreit das Reh nach einem Jagderlebnis, auf der anderen Seite ruft die Mahlzeit, von der man nicht weiß, wann sich die nächste Gelegenheit auf diese ergibt. Keine gute Voraussetzung, entspannt zu sein! 

4. Nachteil - Nur noch Handfütterung?

Hast du dich eigentlich mal gefragt, wann man wieder mit der reinen Handfütterung aufhören kann? Logisch betrachtet darfst du mit der Handfütterung nie aufhören. Lernt dein Hund, dass er sein Futter wieder zuhause bekommt, wirst du wieder uninteressant. Das bedeutet, dass du immer wieder draußen das Futter deines Hundes mitschleppen musst. Tust du das nicht, oder nur noch selten, wirst du für deinen Hund unberechenbar. Und damit kein zuverlässiger Bindungspartner, sondern ein großer Stressfaktor. Ich möchte kein Stressfaktor für meine Hunde sein.

5. Nachteil - Sauerei!

Wenn du nicht gerade Trockenfutter fütterst, gibt die reine Handfütterung draußen eine ziemlich eklige Angelegenheit. Frischer Pansen, triefendes Fleisch, Gemüsepampe... Im Sommer vor allem kann das auch zu einer geruchlichen Härteprobe werden :-)

Was du stattdessen tun kannst - die Werkzeuge der positiven Verstärkung

Den Wattebausch-Werfern in der Szene wird immer nachgerufen, dass sie Futterautomaten seien und man für den Hund nur interessant sei, weil man Leckerlis füttert. Aber was ist man denn, wenn man die ganze Mahlzeit des Hundes immer mit sich herumträgt? Richtig! Ein Futterautomat!

Statt dich also zu einer unberechenbaren Futtermaschine zu machen, solltest du mit deinem Hund ein Jagdersatztraining machen. Dazu gehören folgende Werkzeuge:

  • Top 20 Liste der Belohnungen (schreibe alles auf, was dein Hund gerne macht und überlege, was du davon als Belohnung einsetzen kannst!)
  • Alternative Beschäftigung (dein Hund sucht gerne mit der Nase? Oder reagiert er auf Sichtreize? Dann nutze seine Talente und beschäftige ihn mit seinen Stärken!)
  • Erwünschtes Verhalten verstärken (dein Hund zeigt nicht 24 Stunden lang unerwünschtes Verhalten. Belohne deinen Hund immer dann, wenn er sich toll verhält, du ihn also nicht merkst - z. B. langsamer werden, stehen bleiben, dich anschauen...)
  • Rückruf (es soll sich für deinen Hund lohnen, zu dir zu kommen. Vor allem bewährt hat sich der doppelte Rückruf, bestehen aus einem Umorientierungssignal und einem Ankersignal)
  • Verhaltensunterbrecher (wenn dein Hund doch unerwünschtes Verhalten zeigt, benötigst du ein gutes Signal, welches das Verhalten unterbricht. Hier arbeite ich sehr gerne mit dem Geschirrgriff)

Es gibt viele tolle Möglichkeiten, mit deinem Hund an Jagdverhalten zu arbeiten, anstatt gegen ihn. Gerne kann ich dir dabei helfen, ein Team zu werden!

Herzliche Grüße

Deine Susanne